• Beitrags-Kategorie:Nachhaltigkeit

Wie nachhaltig sind vegane Textilien?

Die Zahl der veganen Textilien reicht von A, wie Acryl, bis Z, wie Zellulose. Allen gemein ist, dass dafür keinem Tier auch nur ein Haar gekrümmt wird. Ganz unterschiedlich sind aber Herkunft und Nachhaltigkeit der einzelnen Stoffe.

Vegan sein bedeutet oft auch, sich vegan zu kleiden.

Wer sich für eine vegane Lebensweise entscheidet, tut dies in den allerhäufigsten Fällen aufgrund ethischer Gesichtspunkte. Laut einer Veganz Ernährungsstudie aus dem Jahr 2019 entscheiden sich sage und schreibe 95% der veganer aus Tierschutzgründen dafür, 84% nennen Umweltschutz und 56% gesundheitliche Gründe. Wer sich für Tierwohl und die Umwelt interessiert, den lassen auch Lebens- und Arbeitsumstände von Arbeitern in der Regel nicht kalt.

Welche veganen Textil-Materialien sind fair und nachhaltig?

Die Zahl der veganen Textilien ist sehr umfangreich und ist geprägt von Innovationen. Leder-Ersatz soll zukünftig aus Kakteen gewonnen werden. Dass Ananasblätter dafür herhalten, ist schon nichts mehr neues. Die Innovationskraft geht aber nicht nur in Richtung biologisch abbaubarer Stoffe, sondern beschäftigt sich auch mit der Wiederverwendung nicht organischer Stoffe in Textilien. So werden zum Beispiel heute schon recycelte PET-Flaschen zu Textilien verarbeitet. Neben all den neuen Materialien gibt es natürlich auch noch die Altbekannten. Wir wollen euch in diesem Artikel einen Überblick geben, wie nachhaltig die Materialien sind.

Natürliche vegane Textil-Materialien (Naturfasern)

1. Baumwolle
Baumwolle zählt zu den wohl meistgenutzten Materialien in der Textilindustrie. Laut WWF besteht circa die Hälfte der weltweiten Textilien aus Baumwolle. Der Stoff im Überblick:

  • Vorteile:
    – biologisch abbaubar
  • Nachteile:
    – enormer Wasserverbrauch beim Anbau (ca. 4.100 Liter Wasser werden für ein T-Shirt benötigt). Das ist deshalb problematisch, weil Baumwolle häufig in warmen Ländern mit ohnehin schon wenig Wasser angebaut wird
    – Pestizide kommen beim Anbau zum Einsatz. Diese schaden der Umwelt, können Arbeiter und auch dich gesundheitlich beeinträchtigen
    – kann im Lauf der Produktionskette noch mit Giftstoffen eingefärbt oder geblichen werden
  •  

2. Bio-Baumwolle
Bio-Baumwolle ist die nachhaltigere Schwester der konventionellen Baumwolle. Hier wird auf genmanipulierte Pflanzen und Pestizide verzichtet. Aus Gründen der anderen Bodenbeschaffenheit wird auch weniger Wasser zum Anbau benötigt. Bio-Baumwolle als Grundstoff bedeutet jedoch  nicht automatisch, dass die Folgeprozesse auch in Bio passieren. Achtet also auf jeden fall auf Siegel, die den kompletten Produktionsprozess im Auge haben. Der Stoff im Überblick:

  • Vorteile:
    – biologisch abbaubar
    – beim Anbau kommen keine Genmanipulierten Pflanzen oder Pestizide zum Einsatz
    – bis zu 91% geringerer Wasserverbrauch als bei konventionell angebauter Baumwolle
  • Nachteile:
    – immer noch relativ hoher Wasserverbrauch
  1.  

Vegane Kleidung aus Bio-Baumwolle:

3. Leinen
Flachs ist der Grundstoff für dieses Jahrhunderte alte Material. Im Gegensatz zu Baumwolle benötigt Leinen keine heißen Temperaturen, um zu wachsen. Er kann deshalb auch in unseren Breitengraden wachsen und gedeihen, ohne Unmengen an Wasser und Energie zu verbrauchen. Und nach dem Motto: Regional ist das neue Bio, eigentlich auch der Baumwolle vorzuziehen. Wäre da nicht die aufwendige Herstellung und die Beschaffenheit des Stoffes: er ist sehr kühlend und hält im Sommer frisch. Entsprechend hält er leider auch im Winter nicht wirklich warm.:

  • Vorteile:
    – biologisch abbaubar
    – Anbau regional möglich
    – geringer Wasser- und Energieverbrauch als (Bio-)Baumwolle
  • Nachteile:
    – sehr aufwendig herzustellen
    – kann im Lauf der Produktionskette noch mit Giftstoffen eingefärbt oder geblichen werden
  •  

4. Bio-Leinen
Der Bio-Leinen toppt Bio-Baumwolle und Leinen noch einmal, wenn es um Sachen Wasser und Energieverbrauch geht.

  • Vorteile:
    – biologisch abbaubar
    – Anbau regional möglich
    – deutlich geringerer Wasserverbrauch als bei (Bio-)Baumwolle
  • Nachteile:
    – sehr aufwendig herzustellen

Vegane Kleidung aus Leinen:

5. Kapok
Kapok – auch Pflanzendaune genannt – wächst auf dem Kapok-Baum, in den Tropen Mittelamerikas. Die Früchte des Baumes tragen im Inneren eine Faser, die Baumwolle ähnelt. Die Faser wird schon lange für Füllmaterial verwendet – geriet aber mit der Einführung synthetischer Alternativen in Vergessenheit. Gerade “feiert” sie ihr Revival! Der Stoff im Überblick:

  • Vorteile:
    – Kapokbäume sind wild- und schnellwachsend und werden bislang noch nicht in Monokulturen angebaut.
    – es ist keine künstliche Bewässerung notwendig
    – keine Chemischen Prozesse zur Verarbeitung notwendig
    – biologisch abbaubar
  • Nachteile:
    – lange Transportwege
  1.  

Vegane Kleidung aus Kapok:

Foto von Julie Krabbe Clausen von Pexels

Und was ist mit allen anderen Materialien?

Immer mehr nachhaltige Brands nutzen recycelte Produkte, um ihre Mode herzustellen. Zu helfen, die Welt ein wenig sauberer zu machen, ist definitiv unterstützenswert, da man so seinen Beitrag zum Thema Circularity leisten kann.
 
Wo immer möglich, verzichtet bitte auf Produkte, die “neu” aus erdölbasierten Stoffen, wie zum Beispiel Acryl und Polyurethan (kurz: PU), produziert werden. Damit tragt ihr nur noch weiter zur Thematik des Mikroplastik bei und produziert nicht biologisch abbaubaren “Müll”.
 
Auf den ersten Blick hat man das Gefühl, nachhaltige Produkte seien teurer als Fast Fashion-Items. Sieht man sich aber an, wie viel langlebiger die Produkte bei guter Handhabung sind, nivelliert sich der Preisunterschied!

Was kann jeder tun, um nachhaltiger zu sein?

Egal, aus welchem Material eure Kleidung ist – auf die richtige Pflege und die Einstellung zum Produkt kommt es an. Es gibt ein paar wenige Punkte, an die ihr euch halten könnt:

– Waschen: nicht zu oft,  kalt, kein Weichspüler (ganz besonders beim ersten mal waschen)

– Wenn’s mal reißt: lieber reparieren als ersetzen

– Weniger ist mehr: lieber mal auf ein neues T-Shirt verzichten und in den untiefen des Kleiderschranks nach einem schon lange nicht mehr getragenem suchen

– Regional ist das neue Bio: greift auf Materialien zurück, die auch lokal angebaut werden können – bei uns wäre das zum Beispiel Leinen & Hanf

Spread the love